Hundeerziehung: Liebe und Geduld sind der Schlüssel

credit: hexe und hund

Alles, was man für eine gelungene Hunderziehung braucht sind Liebe und Geduld. Klingt total simpel, ist aber im Alltag verdammt schwer umzusetzten. Da hilft es, sich manchmal bestimmte Frage zu stellen – und auch liebevoll und geduldig mit sich selbst zu sein

Zu Beginn sei gesagt, dass es kein Zaubermittel für eine ideale Hundeerziehung gibt. Es ist alles situativ und vor allem abhängig vom jeweiligen Charakter des Hundes und des Menschen. Doch ich bin davon überzeugt, dass Liebe und Geduld in jedem Fall helfen können. Ich selbst musste das auch erst lernen und muss mich auch jeden Tag aufs Neue daran erinnern.

Ich denke als Mutter – sei es nun von einem Kind oder einem Hund – kommt man zwangläufig mal an einen Punkt, an dem man am liebstes alles hinschmeißen würde. Man ist verzweifelt, ratlos und es fehlt einem einfach die Kraft, weiterzumachen.

Auch ich war mit Filou gerade am Anfang öfter an diesem Punkt. Auf einmal wurden gelernte Kommandos nicht mehr umgesetzt, oder er hat sich bei einem fremden Mann mal wieder in Rage gebellt, obwohl wir dieses Problem doch eigentlich in den Griff bekommen hatten. Da fällt es wirklich schwer, nicht die Geduld zu verlieren und die Nerven zu behalten. Am liebsten möchte man laut werden und seinem Frust Luft machen. Doch das führt genau zum Gegenteil. Also einfach alles schlucken und gute Mine zum bösen Spiel machen? Nicht ganz…

Hat mein Hund einen schlechten Tag?

Oftmals verlangen wir von unseren Hunden einfach zu viel. Sie sollen immer funktionieren, immer brav sein, immer gehorchen. Aber uns gestehen wir zu, mal einen schlechten Tag zu haben. Immerhin hatten wir ja Stress auf Arbeit oder wir fühlen uns nicht gut. Da ist es ja verständlich, dass wir mal nicht so gute Laune haben.
Aber schon mal daran gedacht, dass es unseren Hunden ähnlich gehen kann? Auch sie können mal einen schlechten Tag haben – vielleicht, weil sie nachts nicht wirklich zur Ruhe gekommen sind, sie sich nicht zu 100 Prozent wohlfühlen oder einfach mal liegen bleiben möchten.
Wenn Eure Fellnase also mal wieder anscheinend grundlos andere Hunde anbellt, obwohl sie das schon ewig nicht mehr gemacht hat, werdet nicht gleich wütend und zweifelt an Eurer Erziehung. Vielleicht hat Euer Hund einfach nur einen schlechten Tag.

Bei Filou merke ich mittlerweile recht schnell, wenn er mal nicht so gut drauf ist. Die Begrüßung am morgen fällt nicht ganz so euphorisch aus und auf unserer morgendlichen Gassirunde werden dann auch mal Mülleimer oder Fahrräder aus der Entfernung angeknurrt, weil es könnte ja ein anderer Hund sein. Dann weiß ich schon, dass wir an diesem Tag langsam machen müssen und Hundebegegnungen strickt meiden sollten. Mit dieser Taktik fahren wir bislang ganz gut. Also beobachtet Eure Fellnase einfach ganz genau, sie wird Euch bestimmt signlisieren, wenn sie mal einen schlechten Tag hat.

War es heute einfach zu viel?

credits: hexe und hund

Für uns ist es ganz normal geworden, dass wir von Termin zu Termin hetzen. Immer die Zeit im Nacken, immer unter Druck agieren und bloß keine Fehler machen. Doch für unsere Hunde muss diese Welt wie ein fremder Planet anmuten. Sie kennen von Natur aus keinen Stress, zumindest nicht in der Form, wie wir ihm tagtäglich ausgesetzt sind. Dennoch verlangen wir von ihnen, dass sie sich unserem Alltag problemlos anpassen. Dass das nicht immer funktionieren kann, müsste eigentlich klar sein, wenn man sich das mal genauer überlegt.
Da sie uns aber nicht einfahc sagen können, dass es ihnen zu viel ist, machen sie es uns auf andere Art und Weise deutlih. Entweder fangen sie an zu bocken und gehorchen nicht mehr – was bei uns natürlich zu dem Gedanken führt „Boah, ausgerechnet heute? Wir haben es eilig!“ – oder sie werden nervös. Beides ist auf jeden Fall nicht gut – weder für uns, noch für die Vierbeiner.

Ich hab erschreckend lange gebraucht um das zu begreifen. Es war für mich einfach selbstverständlich, dass sich Filou meinem Leben anpasst. Doch gerade an Tagen mit vielen Terminen merkte ich irgendwann, dass es ihm zu viel wird. Und das ist auch völlig in Ordnung so.

Bin ich selbst gerade gereizt oder unruhig?

Die Frage könnte auch lauten „Warum soll unser Hund entspannt sein, wenn wir es selbst nicht sind?“
Es ist kein Geheimnis, dass unsere Vierbeiner sehr feinfühlige und empathische Wesen sind. Sie merken, wenn wir krank sind, genau so wie sie merken, wenn wir uns freuen und es uns super geht.
Und immer sind sie an unserer Seite, „leiden“ mit uns, freuen sich mit uns…und sind leider auch mit uns gestresst und nervös. Hunde sind unser Spiegel.
Deshalb ist es wichtig zu überlegen, ob der „Fehler“ wirklich beim Hund liegt oder nicht eher bei einem selbst.

Bestes Beispiel bei Filou und mir ist der Rückruf: Ja, er ist noch ausbaufähig, das ist gar keine Frage. Und wenn Filou dann an einem schlechten Tag beim zweiten Rufen noch nicht kommt, werde ich ungeduldig. Ich spule vor meinem inneren Auge schon das Szenario ab, wie ich ihm die halbe Wiese lang hinterher laufen darf und rufe daher beim dritten mal total genervt. Natürlich kommt er erst recht nicht. Warum sollte er auch zu einem Frauchen kommen, das völlig neben sich steht und übel schlecht gelaunt ist?
Wenn ich er wäre, würde ich auch nicht kommen. Er könnte kommen, keine Frage, weil er kennt das „Rückruf“-Signal. Aber er hört an meiner Stimme, dass irgendwas nicht stimmt und bleibt instinktiv lieber auf Abstand.

Oder noch ein Beispiel: Filou steht mit anderen Hunden eher auf Kriegsfuß. Heißt, wenn wir beim Spazierengehen anderen Hunden begegnen, fängt er manchmal an zu knurren und zu bellen. Oder an schlechten Tagen bellt er sich regelrecht in Rage und ist kaum mehr zu bremsen. Das liegt aber nicht an ihm, sondern an mir. Denn an manchen Tage bin ich innerlich beim Gassigehen schon total angespannt, vermute hinter jeder Ecke einen anderen Hund und denke mir „Bitte lass uns keine Hundebegegnung haben“. Dieser innnerliche Stress überträgt sich zwangsläufig auf Filou. Er kann nicht mehr darauf vertrauen, dass dieses nervöse Wrack von Frauchen ihn angemessen verteidigen kann…also nimmt er es selbst in die Hand.

Wenn ich es denn schon weiß, wieso ändere ich es dann nicht? Die einfache Antwort lautet: Weil ich auch

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nur ein Mensch bin. Es gelingt einfach nicht immer, es ist ein laufender Prozess, zu dem auch Rückschläge gehören.

Doch das wichtigste Fazit aus diesem Text ist: Habt Geduld mit Euch und Eurem Hund. Aber fasst Euch auch mal an die eigene Nase, wenn etwas nicht funktioniert. Eure Fellnase ist keine Maschine, sie darf genau so Fehler machen, wie wir. Und oftmals liegt es leider einfach an uns und nicht an ihr.

Darüber hinaus vergesst eines nicht: Bleibt liebevoll im Umgang mit Euch und Eurem Hund. Und ruft Euch immer ins Gedächtnis, dass er Euch mit Ungehorsam nicht ärgern möchte…meist steckt eine plausible Erklärung dahinter. Bleibt einfach ruhig, so schwer das auch manchmal sein mag, denn mit Aufregung oder gar Gewalt wird alles nur noch schlimmer.
Um es abschließend mit etwas abgewandelten Worten von Astrid Lindgren zu sagen: „Man kann in Hunde nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln.“

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Hundeerziehung: Liebe und Geduld sind der Schlüssel

  1. mamatier 6. April 2020 / 09:12

    Es ist wirklich schön, zu lesen was Du schreibst. Es sind genau die gleichen Erfahrungen und Lernprozesse, die ich auch durchlebt habe. Es ist inzwischen bei mir „automatisiert“, bei „nicht funktionierendem“ Hund mich selbst zu hinterfragen. Und ja, es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell ich dann feststelle, ich bin gestresst oder nervös oder genervt oder einfach schlecht drauf. Klar überträgt es sich auf mein kleines Monster. Das merke ich ja schon, wenn ich einfach mal beim Spaziergang irgendwie in einem Gedankenchaos versunken bin. Ich rufe mich dann immer wieder schnell zur Ordnung und versuche mich selbst runterzufahren, um einen wirklich entspannten Spaziergang zu haben, der sowohl mir als auch meinem Hund gut tut. Es klappt nicht immer, aber doch schon ganz schön oft.

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    • Filous Frauchen 7. April 2020 / 08:21

      Freut mich, dass wir da so ähnlich ticken 🙂
      Ja, es ist ein Prozess, der glaube ich, nie aufhört, weil man immer mal einen schlechten Tag haben wird … aber es ist ja schon eine große Hilfe, wenn es einem auffällt und sich das bewusst macht, dass es an einem selbst liegt und nicht am Hund 😉 Und vor allem, dass es vorüber gehen wird 🙂

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