Grundkommandos: Welche sind wirklich sinnvoll?

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Wenn man sich Anzeigen auf einschlägigen Online-Verkaufsportalen durchliest, in denen Hunde angeboten werden, liest man oft: „Beherrscht alle Grundkommandos.“ Doch welche Signale gehören eigentlich zu den Grundkommandos? Ich möchte hier mal aufzählen, welche ich tatsächlich für sinnvoll halte

„Mein Hund kann schon Männchen machen!“ höre ich häufig auf dem Hundeplatz und frage mich dabei, in welchen Situationen dieses Signal dem Hund-Mensch-Team wohl nützt. Sicherlich bereitet es einigen Vierbeinern Freude, solche Tricks zu lernen – aber oftmals werden diese „Spaß-Signale“ als aller erstes trainiert. Und das halte ich für problematisch…

Denn in einigen Fällen entwickelt sich daraus ein Hund, der sich zwar im Kreis drehen, Männchen machen und Pfote geben kann – aber keine zwei Sekunden sitzen bleibt und das Wort „Rückruf“ noch nie gehört hat.

Sicherlich kommt es auch immer darauf an, was dem jeweiligen Mensch-Hund-Team wichtig ist. Es gibt durchaus Leute, die legen nicht sonderlich viel Wert auf eine gute „Erziehung“, weil der Spaß mit dem Vierbeiner im Vordergrund steht.
Ich persönlich würde z.B. behaupten, dass es mir egal ist, ob Filou irgendwelche Tricks beherrscht. Er soll mit mir gemeinsam möglichst gelassen den Alltag bestreiten können. Und genau da kommen die Grundkommandos ins Spiel.

Braucht ein Hund wirklich „Sitz, Platz, Bleib“?

In so ziemlich jedem Welpenratgeber wird erklärt, wie man dem Hund am besten „Sitz, Platz und Bleib“ beibringt. Auch ich dachte anfangs, dass diese Kommandos unerlässlich sind. Mittlerweile bin ich jedoch schlauer.

Filou kann zum Beispiel „Platz“, aber ratet mal, wie oft wir das Signal in seinen drei Jahren bei mir gebraucht haben. Richtig, nie. Weil es so gut wie keine Situation gibt, in der es wirklich notwendig ist.

Genau so verhält es sich auch mit dem Kommando „bleib“ – oder wie es meistens ausgesprochen wird „Bleeiiiiiiiiib“. In meinen Augen ist es viel sinnvoller, das Signal „Sitz“ so zu trainieren, dass der Hund solange sitzen bleibt, bis man es mit einem „ok“ o.ä. auflöst. Denn „sitz“ bedeutet nunmal „sitz“ – da muss man nicht noch ein „bleib“ hinterher schieben.

Wichtig finde ich dabei auch, dass man die Signale so aufbaut, dass sie auf Entfernung umgesetzt werden können. Das kann später im Freilauf wirklich nützlich sein.

Ein guter Rückruf ist Gold wert

Es ist das Signal, an dem die meisten Hundehalter verzweifeln, aber es ist meiner Meinung nach auch das, was mit am wichtigsten ist: der Rückruf. Denn wenn der Rückruf sitzt, kann man seinem Hund wahnsinnig viel Freiheit schenken – und es gibt der Mensch-Hund-Beziehung einen enormen Vertrauens-Schub.

Diesbezüglich höre ich oft „Naja, der Rückruf klappt mal so, mal so“. Und ja, es ist gerade im Grundtraining ein ständiges Auf-und-Ab. Aber das am Ball bleiben wird sich später bezahlt machen! Also, bevor irgendwelche Kunststückchen trainiert werden, lieber am Rückruf arbeiten.

Was ist der Unterschied zwischen „Nein“ und „Aus“?

Ganz einfach: „Aus“ bedeutet, der Hund soll etwas hergeben oder mit einer Sache aufhören. „Nein“ bedeutet, dass er gar nicht erst mit einer Sache anfangen soll, bzw. etwas tabu ist. Beispiel: Der Hund hat etwas im Maul und soll es hergeben – das wäre „Aus“. Möchten wir gar nicht erst, dass der Hund die Sache ins Maul nimmt, würden wir „Nein“ sagen, sobald der Hund sich mit der Schnauze der Sache nähert.

Beide Signale finde ich fürs Zusammenleben überaus wichtig, gerade weil draußen unwahrscheinlich viele (für unsere Hunde) leckere Dinge auf dem Boden liegen – oder eben leider auch Giftköder. Da ist ein Abbruchsignal wie „Nein“ in meinen Augen sehr sinnvoll.

Leinenführigkeit vs. Fuß

Selbst von Leuten, bei denen ich behaupten würde, dass der Hund wirklich gut erzogen ist, höre ich manchmal: „Aber an der Leine ist es eine Katastrophe!“ Tja, Leinenführigkeit kommt eben nicht von alleine…und dabei sei gesagt: „Fuß“ ist etwas komplett anderes als Leinenführigkeit. Denn bei einem korrekt ausgeführten „Fuß“ darf der Hund nicht schnüffeln und hat nur einen sehr kleinen Radius, in dem er sich bewegen darf. Das ist für die Vierbeiner wahnsinnig anstrengend und sollte auch nur über kurze Distanzen ausgeführt werden. Zum Beispiel wenn man in der Stadt durch eine enge Gasse an anderen Leuten vorbei laufen muss o.ä.

Leinenführigkeit begleitet einen aber jeden Tag, denn dabei geht es darum, dass der Hund an lockerer Leine geht. Er hat dabei einen relativ großen Radius und darf auch schnüffeln – einzig die Leine sollte nicht auf Spannung sein. Das sollte in meinen Augen auch früh trainiert werden, denn wir verbringen nunmal viel Zeit mit unserem Hund an der Leine.

Fazit: Wenn man mich jetzt Fragen würde, welche Signale ich zu den Grundkommandos zählen würde, dann wären das „Sitz“, der Rückruf, „Nein“, „Aus“ und Leinenführigkeit (da gibt es kein konkretes Signal)

Wenn das alles sitzt, dann kann man dem Hund gerne ein paar Tricks beibringen, insofern der Hund Spaß daran hat 😉

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