
Ein Umzug, Autofahrten oder Silvester: Es gibt viele Situationen, die einen Hund stressen können. Natürliche Beruhigungsmittel können dabei eine große Hilfe und Unterstützung sein. Doch welche gibt es überhaupt und worauf sollte man achten?
Das erste Mal habe ich mich mit dem Thema „Beruhigungsmittel für Hunde“ auseinandergesetzt, als klar war, dass wir bei meiner ehemaligen Arbeit eine neue Kollegin bekommen würden. Filou fühlte sich in dem Büro pudelwohl, doch neue Bekanntschaften verunsicherten ihn anfangs sehr. Auch, weil er generell ein eher skeptischer Hund ist – und ich wollte vermeiden, dass er sich im Büro mehr aufregt, als nötig.
Also suchte ich nach Wegen, ihm die Eingewöhnungszeit so leicht wie möglich zu gestalten.
Für mich war von vornherein klar, dass ich Filou keine Beruhigungsmittel vom Tierarzt gebe.
Ich wollte ihn ja nicht mit der Holzhammer-Methode ruhigstellen, sondern ihm einfach dabei helfen, in für ihn stressigen Situationen gelassener bleiben zu können. Quasi eine Art Unterstützung, um in aufregenden Situationen dennoch ansprechbar und aufnahmefähig zu bleiben.
Die Auswahl an natürlichen Beruhigungsmitteln ist allerdings groß und manche sollte man skeptisch betrachten. Denn nicht immer ist natürlich auch gleich sinnvoll. Hier mal eine kleine Übersicht, welche Möglichkeiten es gibt – kombiniert mit einem kleinen Erfahrungsbericht.
Anmerkung: Es sollte immer im Hinterkopf behalten werden, dass es (vor allem) bei pflanzlichen und/oder homöopathischen Mitteln einen „Placebo Effekt“ geben kann: Wenn Halter*innen sehr von der Wirkung eines (natürlichen) Mittels überzeugt sind, kann dies das Verhalten des Menschen gegenüber des Hundes verändern, was wiederum Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Hundes hat. In diesem Artikel gibt es dazu mehr Infos.
Bachblüten-Mischung
Aufgrund der Büro-Situation damals entschied ich mich, für Filou Bachblütentropfen zu bestellen. Ich selbst hatte schonmal eine Bachblüten-Mischung (für Menschen) probiert, und war durchaus überzeugt. Bei Hunden muss allerdings beachtet werden, dass die Mischung auf jeden Fall alkoholfrei ist. Also bitte nicht einfach dem Hund die eigenen Bachblüten-Tropfen verabreichen!
Doch bei Filou zeigten die Tropfen nicht die gewünschte Wirkung – eigentlich gar keine. Ich gab ihm täglich, wie auf der Beschreibung vermerkt, ein paar Tropfen in sein Trinkwasser. Mir war klar, dass gerade pflanzliche Mittel erst nach einer Weile wirken, doch selbst nach ein paar Wochen konnte ich keine Veränderung bei Filou feststellen.
Vielleicht ist es bei Hunden wie bei Menschen – manche springen auf Bachblüten an, andere nicht.
Pheromon-Halsband
Ein gutes halbes Jahr später stand eine ähnliche Situation bevor. Filou war in der Zwischenzeit schon etwas gelassener geworden, dennoch wollte ich für den Notfall gewappnet sein. Da Bachblüten schon mal nicht mehr infrage kamen, recherchierte ich weiter. Eher durch Zufall bin ich dabei auf ein Pheromon-Halsband gestoßen. Dieses gibt einen Wirkstoff in die Umgebung ab, der an das Pheromon von Mutterhündinnen erinnert. Es ist eine Art „Entspannungsbotschaft“, die nur von Hunden wahrgenommen werden kann und ein starkes Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln soll.
Das Halsband muss kontinuierlich getragen werden und darf dabei nicht nass werden. Es sollte möglichst eng anliegen (ohne den Hund zu erwürgen) und alle vier Wochen erneuert werden.
An sich hatte das Halsband keinen Eigengeruch und ließ sich problemlos anlegen. Filou störte es auch gar nicht und anders als bei manchen Bewertungen verfilzte sein Fell auch nicht unter dem Halsband. Doch das war es dann auch schon…wie schon zuvor bei den Bachblüten-Tropfen konnte ich keine Veränderungen bei seinem Verhalten feststellen. In ungewohnten Situationen war er weiterhin nervös und ruhelos.
Vielleicht konnte das mütterliche Pheromon bei ihm nicht wirken, weil er es gar nicht kannte. Immerhin kam er bereits im Alter von vier Wochen ins Tierheim – von Geborgenheit und Sicherheit keine Spur.
Liest man sich jedoch die Bewertungen durch, scheint es durchaus Hunde zu geben, bei denen das Pheromon-Halsband wirkt. Für Filou und mich ging die Suche allerdings weiter.
Zirbenholz/ Zirbenöl
Kaum eine Holzart hat so viele positive Eigenschaften wie Zirbe: Sie hat einen besonders hohen Anteil an ätherischen Ölen. Daher senkt sie die Herzfrequenz und sorgt gleichzeitig für eine Verbesserung der Ruhephasen während körperlicher und mentaler Belastungssituationen. Außerdem soll Zirbenholz eine hohe antibakterielle Wirkung haben. (Mehr über Zirbenholz kannst du hier lesen.)
Da ich den Geruch von Holz generell liebe, habe ich bei Gesundheitskissen ein kleines Kissen für Filou sowie ein Fläschchen Zirbenöl bestellt. Persönlich bin ich heute noch von dem Duft ganz angetan. Es riecht frisch, aber nicht aufdringlich und löst bei mir selbst auch ein Gefühl der Entspannung aus.

Für Filou war der Duft, glaube ich, anfangs etwas zu penetrant. Doch nach einer Weile hatte er sich daran gewöhnt. Eigentliche wollte ich ihm das Kissen in seine Box bei der Arbeit legen, damit er dort in seinem Rückzugsort besser zur Ruhe kommen kann. Doch nun liegt es Zuhause auf seiner Sofa-Decke und man bekommt ihn fast nicht mehr davon weg. So hilft es ihm eben dabei, dass er sich noch besser entspannen und erholen kann – und mir hilft der Duft ebenfalls. Denn wie heißt es so schön? Entspanntes Frauchen, entspannter Hund.
PS: Es gibt noch weitere ätherische Öle, die eine ähnliche Wirkung haben. Zu den Klassikern zählen Lavendel, Melisse und Kamille.
Kräutermischungen
Unseren absoluten Favoriten haben wir erst kürzlich entdeckt – auch im Zusammenhang mit meiner Weiterbildung zur Naturheilkundeberaterin für Hunde: Eine natürliche Kräutermischung für ängstliche und nervöse Hunde. Wie bei allen pflanzlichen Mitteln ist auch hier erst eine Wirkung nach circa 1-2 Wochen zu spüren – aber anders als bei den Bachblüten-Tropfen oder dem Halsband ist sie hier tatsächlich eingetreten!
Die Mischung besteht aus Kamille, Passionsblume, Lavendel, Melisse und Pfefferminze. Wenn ich weiß, dass eine stressige Situation bevorsteht (Umzug, Fahrt in den Urlaub oder Vorweihnachtszeit) gebe ich Filou rechtzeitig täglich eine angepasste Menge unter sein Nassfutter. Er hat es von Anfang an ohne Probleme akzeptiert, vielleicht auch, weil die Mischung super angenehm riecht.
Man kann zwischen feingehackten oder gemahlenen Kräuter wählen. Ich habe mich für die gemahlene Variante entschieden, einfach, weil sich die Kräuter so viel besser unter sein Futter mischen lassen. Und allgemein nehmen Hunden Kräuter in Pulverform besser an.
Fazit: Schlussendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob und wie er seinem Vierbeiner bei stressigen Situationen helfen möchte. Mir ist auch klar, dass selbst pflanzliche Mittel keine Dauerlösung sind. Maximal sollte man auch die Kräuter nur für acht Wochen am Stück verwenden. Es ist eine Übergangslösung, eine Unterstützung – aber die Mittelchen beheben nicht das Problem. Dies gelingt nur, indem man sich intensiv mit seinem Hund beschäftigt und gemeinsam daran arbeitet, in bestimmten Situationen gelassener zu reagieren. Aber meiner Meinung nach sind solch pflanzliche Produkte eine gute Hilfe, um genau daran besser arbeiten zu können. Denn ein entspannter Hund kann viel besser lernen.

Hey liebe Hexe 😉 hast du die Kräuter selbst gemischt? ich habe auch so ein übervorsichtiges, sehr liebes und unsicheres Tierschutz-Exemplar zuhause. Bachblüten wirken nicht und das Halsband wirkt nicht vertrauenserweckend. liebe Grüße. Moni
Hallo liebe Monika,
Die Kräuter habe ich bei Krauterie bestellt 🙂 Ist auch im Artikel verlinkt. Die Mischung, die Filou bekommt ist die „sanfte“, es gibt aber noch eine stärkere mit Baldrian.
Liebe Grüße
Die Hexe und Filou
danke dir. ♥ Grüße. Moni
Super Zusammenfassung, vielen Dank dafür! Für Silvester werde ich es dieses Jahr auch mal mit Beruhigungskräutern versuchen. Im Alltag haben wir die Angstsituationen dank unseres Hundetrainers gut in den Griff bekommen, aber an solchen Tagen ist es noch schwer.